Herzlich willkommen

in den Evangelisch-reformierten Kirchengemeinden Hinte, Westerhusen und Groß Midlum

 

Gottesdienst im Badezimmer - oder: Ein Gottesdienst am Spiegel

am Sonntag, den 10. Mai 2020 um 10 Uhr

 

Glockengeläut

Kerze entzünden

Eingangswort

Mein Anfang und meine Hilfe kommen von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.

Er nahm von beidem ein wenig und machte: Mich. Amen

Gebet

Gott. Da bin ich. Ganz wie ich bin. Ich trage viel heran. Zu Dir: Meinen Körper. Kunstvoll und fein geschaffen. An manchem Tag leide ich an ihm...Mein Herz. Übervoll. Übergelaufen vor Glück. Vor Traurigkeit.Ich trage vieles her. Mein Leben. Mein Vermögen. Mein Versagen. Beladen bin ich. Und du sagst: „Ich will Dich“. Ganz wie ich bin. Ohne meine Masken. Ich danke Dir dafür. Amen

Bibellese Mt 11,28

Jesus spricht: Komm her zu mir, der Du mühselig und beladen bist. Ich will Dich! Erquicken!

Stille - mit Blick in den Spiegel

Bibellese Ps 139, 13+14

Du, Gott, hast meine Nieren bereitet. Du hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke.

Impuls zur Bibellese (Anregung: Lies langsam, blicke zwischendurch in den Spiegel.)

Du wirst geboren.

Du! Ein Baby. Ein winzig kleiner Mensch. Auf Hilfe angewiesen zu Beginn. Auf Liebe!

Und da waren welche, die sich gekümmert haben um Dich! Sonst wärst Du heut nicht hier. Und doch hast Du von Anfang an eines sehr eigenständig in Dir: Ein kräftiges Herz. Deins! Es schlägt in Dir. Will leben!

Das war schon so, als Du noch im Bauch deiner Mutter warst. Ganz nah an ihrem Herzen lagst. Eine Art von Geborgenheit erfuhrst - nach der Du Dich später noch häufig sehnen wirst...

Da hat sich Einer etwas Geniales erdacht, als er Dich gemacht hat: Ich gebe Dir sofort, noch ehe Du atmen oder schreien kannst ein Herz in Deine Brust. Und ich lege Dein Herz von Anbeginn ganz nah an das eines anderen dran. Herz an Herz. So bist Du herangewachsen im Mutterleib. So kennst du es von Deinem ersten Herzschlag an. So soll es dann auch in Deinem Leben sein: Dass Du nie ganz alleine bist.

Heute bist Du kein Baby mehr. Der Blick in den Spiegel zeigt Dir Deine Jahre. Dein Erlebtes. Was hast Du alles schon geschafft! Und diese letzten Wochen! Vielleicht bist Du alt geworden? Nähe zu anderen Menschen brauchst Du noch immer. Und wie.

Nimm Dir heute etwas Zeit und sieh einmal in Ruhe hin: Wo hast Du wen in Deiner Nähe? Auch in dieser seltsamen Zeit.Wie selbstverständlich ist Dir dieser Mensch? Wie besonders vielleicht? Wen hast Du als letztes gesehen? Über den Gartenzaun. Über das Handy. Beim Einkaufen - hinter der Maske. Wer ist Dir wichtig? Wen möchtest Du unbedingt bald wiedersehen? Welche Hand willst Du halten? In welche Augen sehen? Mit wem ein paar Worte wechseln und wen in Deine Arme nehmen?

Noch darfst Du sie nicht treffen, die Menschen, die Du lieb hast. Das trifft Dich an Deiner menschlichsten Stelle. Du weißt gar nicht, wie lange Du das noch aushältst. Und ich weiß es auch nicht.


Komm her zu mir, der Du mühselig und beladen bist. Ich will Dich! Erquicken!

Einer sieht Dich. Mehr als Dein Spiegelbild sieht er. Viel mehr! Dein Seufzen, kennt Deine Nacht. Nimmt Dein Herz in seine Hand und sagt: Meine Nähe geb ich Dir. Kraft, große Kraft dazu: Segen! Stärke!

Wunderbar sind seine Werke! Du bist eines davon! Dein Nachbar auch. Wir werden uns bald alle wiedersehen! Dann könnten wir uns eigentlich demaskieren. Ich mein das ganz in echt: Die Masken ablegen. Einander so sehen, wie Du Dich jetzt grad im Spiegel siehst. Und ich mich. Ohne Masken. Dafür vielleicht mit Narben. Grauem Haar. Ein  paar Falten. Und mit einem Herzen, das sich sehnt. Es ist so in uns angelegt! Und das, grade das macht Dich so wunderschön! Es könnte diese Welt retten...

Da hat sich Einer etwas Geniales erdacht, als er Dich gemacht hat: Ich gebe Dir sofort, noch ehe Du atmen oder schreien kannst ein Herz in Deine Brust. Und ich lege Dein Herz von Anbeginn ganz nah an das eines anderen dran. So lernt Dein Herz von Anbeginn den Rhythmus des Lebens - nein, der Liebe kennen! Amen

Stille

Gebet

Mein Gott, ich flieh zu Dir.

Ich lege meine Maske ab. Lasse meine Fassade fallen. Ich bin. Echt. Ungeschminkt. Ein bloßes Menschenkind, bedürftig und schwach. Mit Angst und Zweifeln. Im Dunkel allein. Manchmal auch am helllichten Tag. Wenn ich mich so seh, dann seh ich ein: Ich brauche Dich, mein Gott. Unter Deinen Flügeln finde ich Schutz. Für meinen geschwächten Leib. Für meine aufgeschürfte Seele. Nimm mich unter Deine Fittiche!Nimm diese Erde unter Deine Fittiche! Bewahre, was Du kunstvoll und fein geschaffen hast: Diese wundervolle Welt. Und mich. Und meinen kranken Nachbarn auch. Amen

Unservatergebet

Unser Vater im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe - wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segensbitte

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

Kerze löschen

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Pastorin Steffi Sander - Amselweg 18 - 26759 Hinte - steffi.sander@reformiert.de